Der Verkehrssektor ist in Österreich das einzig nennenswerte Ressort, in welchem die klimabelastenden Treibhausgasemissionen relativ zu 1990 gestiegen sind. Dieser Umstand hat wachsenden Bedarf erzeugt, neue Wege der Forschung und Praxis zu beschreiten. Ein Element zum gezielteren Wandel des Verkehrssektors bildet dabei der institutionelle Aufbau sog. Mobilitätslabore, die gemeinsam mit Akteur:innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in offenen und experimentellen Räumen neue Lösungen für moderne und nachhaltige Mobilitätsformen erproben.
Als MOBIREG Innovationslabor widmen wir uns den Konfliktpunkten der ländlichen Fortbewegung in Kärnten und entwickeln gemeinsam mit unseren Partner:innen Strategien für eine zukunftsfähige Mobilität. Unser Zielanspruch ist dabei dreifach: (1) Neue Kooperationsräume zwischen Forschung, Erprobung und Umsetzung entstehen lassen, die praxisnahe Ansätze hervorbringen. (2) Als Vermittler- und Multiplikatorrolle den Austausch zwischen Akteur:innen fördern, die bisher getrennt agierten. (3) Durch systematische Dokumentation dafür sorgen, dass Erkenntnisse über Kärnten hinausstrahlen und anderen Regionen als Vorbild dienen können.
Der Kern des MOBIREG-Ansatzes liegt in vertrauensvoller Zusammenarbeit. Im Rahmen ko-kreativer und partizipativer Verfahren arbeiten wir insbesondere mit Bevölkerungsgruppen, die in klassischen Planungsprozessen oft unterrepräsentiert bleiben: Frauen, Kinder, Jugendliche, betagte Personen und Menschen mit Beeinträchtigungen oder geringem Einkommen. Um Entscheidungen evidenzbasierter zu treffen, nutzen wir neben qualitativen Perspektiven auch handfeste Daten – etwa aus externen Studien, wissenschaftlichen Berichten oder örtlichen Verkehrsdienstleistenden.
Thematisch konzentriert sich MOBIREG primär auf jene Stellhebel, die den größten Einfluss auf Mobilität in ländlichen Räumen erweisen: Aus- oder Rückbau von öffentlichen und geteilten Verkehrsservices, First- und Last-Mile-Lösungen, Anwendungspotenziale von Bedarfsverkehren (Mikro-ÖV, Rufbusse, Anrufsammeltaxis), multimodale Knotenpunkte, Fahrgemeinschaften und Integration von Elektromobilität sowie barrierefreie und aktive Mobilitätsformen. Querschnittlich stehen dabei Sachverhalte von Raumverhältnissen, Gerechtigkeit, Teilhabe sowie Lebensqualität im Mittelpunkt.
Ausblick
In den kommenden Ausgaben werden essenzielle Themen weiter vertieft: die begrifflichen Grundlagen von Verkehr und Mobilität, das Konzept der nachhaltigen Mobilitätswende, die Besonderheiten ländlicher Räume und konkrete Ansätze für eine klimafreundliche Fortbewegung in Kärntens Regionen.